Schlagwort: Vertrauen

Das Wispern der Dinge

Und dann dieses Frage: „Was soll ich denn machen und was soll aus mir werden?“
Wer soll das wissen?
Wir fragen die Kinder: „Was willst du denn machen und was willst du mal werden?“.

Die Kinder aber haben keine Antwort darauf, und sie kennen diese Frage innerlich nicht.
Sie tun ja schon, was jetzt zu tun ist.

Es ist wie im Märchen von Goldmarie: Die Betten wollen geschüttelt sein, und sie werden geschüttelt. Das Brot will gebacken sein, und es kommt in den Ofen. Die reifen Äpfel wollen gepflückt sein, und sie werden gepflückt.

Kinder, solange sie klein sind, können das noch: unmittelbar und von innen auf das antworten, was von den Dingen aus an sie herangetragen wird.
Erst nach und nach lehren sie, dass es nicht reicht, so zu sein. Dass es ein äußeres Ziel braucht und einen Plan, auch wenn er unsinnig ist.

Wie verlernen dabei, auf die Stimmen der Dinge zu lauschen. Auf das Wispern der Dinge und ihre Fragen. Und wir verlernen das innere Vertrauen, dass es auf die Fragen, die sie stellen, in uns eine Antwort gibt.

Ich habe es als hilfreich gefunden, in den Wald zu gehen, um wieder dem Wispern der Dinge zu lauschen.
Auch der Schreibtisch, die Küche, der Garten sind Orte, an denen das Wispern gehört werden kann. Und manchmal, nicht selten, ruhen die Dinge im Zustand völliger Zufriedenheit. Weil die Zeit noch nicht reif ist. Weil jetzt alles so sein darf, wie es jetzt eben ist. Auch ich. Auch du, mein Kind.




Im Augenblick

Kannst Du Dir diesen einen Moment nehmen, um innezuhalten und den Strom deiner Gedanken einfach weiter fließen lassen? Kannst Du die Aufmerksamkeit zu Deinem Atem lenken, zur Tasse in Deiner Hand, zum Boden unter Deinen Füßen? Zur Sorge, zur Angst, zu den offenen Fragen?

Und kannst Du dem Augenblick mit freundlicher Aufmerksamkeit begegnen und ihn fragen: „Mein lieber Augenblick, ich bemerke dich. Ich bin für dich da, auch wenn es gerade schwierig ist mit dir. Ich bin für dich da, ich lasse dich nicht im Stich. Ich weiche nicht von deiner Seite.“

Es ist wie mit einem Kind, das es gerade schwer hat und das wir begleiten. Wir sind da, wir sind anwesend, auch wenn wir im Moment nichts tun oder ändern oder verbessern können.
Auf diese Weise für den Augeblick da zu sein bringt uns in Kontakt mit einer inneren Kraft, mit innerem Vertrauen, innerer Freude, innerer Zuversicht, innerer Weisheit.