Schlagwort: Tun

Das Wispern der Dinge

Und dann dieses Frage: „Was soll ich denn machen und was soll aus mir werden?“
Wer soll das wissen?
Wir fragen die Kinder: „Was willst du denn machen und was willst du mal werden?“.

Die Kinder aber haben keine Antwort darauf, und sie kennen diese Frage innerlich nicht.
Sie tun ja schon, was jetzt zu tun ist.

Es ist wie im Märchen von Goldmarie: Die Betten wollen geschüttelt sein, und sie werden geschüttelt. Das Brot will gebacken sein, und es kommt in den Ofen. Die reifen Äpfel wollen gepflückt sein, und sie werden gepflückt.

Kinder, solange sie klein sind, können das noch: unmittelbar und von innen auf das antworten, was von den Dingen aus an sie herangetragen wird.
Erst nach und nach lehren sie, dass es nicht reicht, so zu sein. Dass es ein äußeres Ziel braucht und einen Plan, auch wenn er unsinnig ist.

Wie verlernen dabei, auf die Stimmen der Dinge zu lauschen. Auf das Wispern der Dinge und ihre Fragen. Und wir verlernen das innere Vertrauen, dass es auf die Fragen, die sie stellen, in uns eine Antwort gibt.

Ich habe es als hilfreich gefunden, in den Wald zu gehen, um wieder dem Wispern der Dinge zu lauschen.
Auch der Schreibtisch, die Küche, der Garten sind Orte, an denen das Wispern gehört werden kann. Und manchmal, nicht selten, ruhen die Dinge im Zustand völliger Zufriedenheit. Weil die Zeit noch nicht reif ist. Weil jetzt alles so sein darf, wie es jetzt eben ist. Auch ich. Auch du, mein Kind.




Schlichtes Tun

Manchmal stelle ich mir dann vor wie es wohl wäre, eigene Kartoffeln zu ernten, Tiere zu versorgen und in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen zu leben. Ich hätte dann unbedingt einen großen Sonnenhut, eine Bank in der Sonne mit Blick auf den Gemüsegarten und sonntags gäbe es immer frischen Apfelkuchen. Die Realität eines solchen Lebens blende ich dann natürlich gerne aus – und auch die Frage, wie es wirklich wäre, als „Selbstversorger“ zu leben oder wer wohl sonntags früh aufstehen würde, um für alle Kuchen zu backen.

Wenn ich in dieser Sache tiefer schaue ist da der Wunsch, mehr mit der Natur verbunden zu sein und mehr im Rhythmus der Natur leben zu können. Ich stelle mir vor, dass so ein mit Natur und Tieren verbundenes Leben auch ein Tun aus der eigenen Mitte heraus einfacher macht. Ein Tun, das sich einfach daran orientiert, was in diesem Moment getan werden muss – also Kartoffeln zu ernten, weil sie jetzt eben geerntet werden müssen und Tiere zu füttern, weil auch dies einfach zu tun ansteht – im Gegensatz zu einem Leben, das von Termine machen, Terminen nachrennen und von ständiger aber irgendwie ziellosen und entwurzelten Aktivität bestimmt ist.

Was treibt uns an, was hindert uns eigentlich am Tun aus dem Augenblick? Vielleicht die Angst. Die Angst, Sicherheit oder Anerkennung zu verlieren, vielleicht auch davor zu erkennen, dass wir anders sind und anderes brauchen, als wir geglaubt haben.

Sich dabei für Achtsamkeit zu öffnen ist ein großes Wagnis. Wir nehmen dann das Wagnis auf uns, dass der schöne Schein von ständiger Aktivität, von Rennen und wichtig sein, abblättert und darunter unsere wahren Bedürfnisse zutage kommen. Das ist gar kein einfacher Prozess. Wenn um uns herum beispielsweise Menschen sind, die überhaupt keine Ahnung mehr davon haben, was ein „Tun aus der eigenen Mitte“ eigentlich bedeutet und wie es sich anfühlt so zu arbeiten, ist es wirklich nicht leicht, einen anderen Weg zu gehen. Zugleich legt Achtsamkeit unsere wahre innere Schönheit frei, unsere Freundlichkeit, unsere Güte, auch eine Schlichtheit. Einfach Mensch zu sein, einfach da zu sein und einfach zu tun, was zu tun ansteht, ist nicht so kompliziert, wie wir manchmal meinen. Wir müssen uns nicht so sehr anstrengen „jemand zu sein“, wir sind ja bereits. Aus diesem schlichten Da-sein ergibt sich auch ein schlichtes „tun, was zu tun ansteht“.

Auch wenn wir keine Kartoffeln anbauen oder ernten können, so können wir doch täglich Ausschau halten nach schlichten Arbeiten, die uns helfen, im Augenblick und bei uns selbst anzukommen: Kartoffeln schälen zum Beispiel, Wäsche falten oder einem Kind die Schuhe binden. Vielleicht können wir diese schlichten Arbeiten nur bewahren können, wenn wir sie selbst tun. Vielleicht bewahren wir auf diese Weise auch unser schlichtes Da-sein.