Schlagwort: Orte

Von einer Wiese aus

Hinter dem Haus liegt, zwischen Bahnlinie und Autobahn, eine Wiese.

Inmitten aller Geräusche der Güterzüge, Flugzeuge und LKWs, bewachsen von einer unüberschaubaren Vielfalt an Gräsern, Kräutchen und Blumen, bewohnt von unzähligen Kaninchen- und Krähenstämmen, liegt diese Wiese zu jeder Jahreszeit einfach da.

Was, wenn es sich von einem solchen Ort der ruhenden Vollkommenheit aus, leben ließe? Was, wenn es möglich wäre, von einem solchen Ort aus alles tastend, lauschend, schmeckend und schauend zu erforschen, ohne gedrängt oder gehetzt zu sein?
Was,
wenn die Angst,
die Angst,
diese Angst also,
wenn die Angst so wie ein welkes Blatt oder so wie Krähenfedern auf den Boden und zu Staub zerfiele, wenn sie, wie alles Fallende, so bereitwillig angenommen und klaglos freundlich zu neuem Gras und neuen Kräutchen verwandelt werden würde?

Von einem solchen Ort aus erspühren, wahrnehmen, erlauschen. Dorthin zurückkehren und schauen, was sich findet, was sich ergibt. Dort also eine neue Wurzel eingraben und warten, was entsteht und wächst.

j.g.